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Johann Peter Eckermanns Werke und künstlerische Ambitionen

 

Seit seiner Kindheit glaubte Johann Peter Eckermann, zum Künstler berufen zu sein. Aufgewachsen in einer ländlichen Umgebung, bildete die Natur, d. h. das Reale, Erlebbare, das Wahrnehmbare und natürlich Erklärbare, seinen ästhetischen Maßstab. Kunstwerke hatten sich, sollten sie ernst genommen werden, an der Realität auszurichten. Sie durften Einzelnes herausheben, deutlich betonen, zur besseren Wahrnehmung überzeichnen, aber sie mussten auch als Fiktion glaubwürdig und in sich schlüssig sein.

Daher stand Eckermann neuen Denkrichtungen in Literatur, Kunst und Gesellschaft skeptisch bis ablehnend gegenüber. Bestrebungen nach einem radikalen Wandel befremdeten ihn, vor allem wenn sie sich zu revolutionären Utopien steigerten. Die sich rasant ändernde Lebensweise in den Städten stand seiner Überzeugung nach in mancherlei Hinsicht nicht im Einklang mit Mensch und Natur und konnte auf Dauer nicht ohne negative Folgen bleiben.

Beyträge zur Poesie, Erstausgabe, 1824 (Text mit Maus vergrößern)

In diesem Bewusstsein begann er 1815 in Hannover seine künstlerische Laufbahn. Er war dorthin aus seiner Heimatstadt Winsen an der Luhe gewandert, um sich seinen Traum zu erfüllen, Kunstmaler zu werden. Die Ausbildung erwies sich allerdings als zu schwierig.

Im unerschütterlichen Glauben an eine künstlerische Berufung wandte er sich daraufhin der Poesie zu. Er bildete sich neben seiner Berufstätigkeit abends autodidaktisch fort, indem er die Werke der Großen der Literatur von der Antike bis zur Gegenwart studierte. Nicht Shakespeare und nicht Schiller, der Liebling der damaligen Jugend, begeisterten ihn, sondern die Werke Goethes. An Schiller kritisierte er, dass Glaubwürdigkeit und Wahrheit allzu oft hinter der dramatischen Wirkung zurückstehen mussten. In Goethe jedoch fand er "eine reine Wirklichkeit in dem Lichte milder Verklärung" und sein eigenes ihm "bisher unbekanntes Innere zurückgespiegelt". Fortan war Goethe sein literarisches Leitbild.

1821 veröffentlichte er in Hannover seinen ersten Gedichtband. Das Werk verschaffte ihm kurz darauf als Student der Rechte in Göttingen unter seinen Kommilitonen viel Anerkennung. Der Erfolg beflügelte seinen Ehrgeiz, sein bereits in Hannover in Angriff genommenes Drama "Graf Eduard" voranzubringen. Es machte jedoch nur geringe Fortschritte und wurde nie vollendet.

Das lag damals vor allem an einer literaturtheoretischen Schrift, die er auszuarbeiten begonnen hatte. "Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe" hatte er sie betitelt. Im Mai 1823 sandte er das sauber abgeschriebene Manuskript nach Weimar an Goethe, im Herbst 1823 erschien es dank dessen Einfluss bei Cotta, versehen mit dem Erscheinungsjahr 1824.

Eckermanns 'Beyträge zur Poesie', Erstausgabe von 1824
»Beyträge zur Poesie
mit
besonderer Hinweisung auf
Goethe
von
J. P. Eckermann.

"Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste."
Stuttgard,
in der Cottaischen Buchhandlung.
1824.«

Anders als Eckermann es sich erhofft hatte, erwies sich Goethe bei seiner weiteren Entwicklung als Dichter und Schriftsteller nicht als Förderer, sondern  als Hemmschuh. Hatte Eckermann in Hannover und Göttingen innerhalb kurzer Zeit noch drei Werke produziert, erlahmte in Weimar an der Seite Goethes seine Produktivität in eigener Sache. Seine aufwendige, aber unentgeltlich geleistete Tätigkeit als Redakteur an Goethes Werkausgabe "letzter Hand" kostete ihn Zeit und Kraft. Die unter dem Einfluss seines Vorbilds in Weimar entstandenen wenigen Gedichte waren, gemessen an den Hannoveraner Versen, ein erheblicher Rückschritt.

In Weimar, seit 1823 bis zu seinem Tode im Jahre 1854 sein Lebensmittelpunkt, publizierte Eckermann Rezensionen von Weimarer Theateraufführungen und von Goethes Zeitschrift "Ueber Kunst und Alterthum". Eine weitere Arbeit erstellte er 1825 anlässlich des 50. Thronjubiläums des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Weimarer Hof hatte ihn beauftragt, eine zweibändige Beschreibung der umfangreichen Jubiläumsfeierlichkeiten zu verfassen. Das Werk verschwand am Ende in der großherzoglichen Bibliothek. Ein Honorar zahlte man dem Autor nicht.

Neue Literatur
Eckermann-Biographie, 2014
Helmuth Hinkfoth
Eckermann
Goethes
Gesprächspartner
Eine anregende
Biografie mit Einblicken
in Goethes Welt
Eckermann-Anthologie
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Am Abend ein Stündchen
bei Goethe
Erzählungen, Gedichte,
Briefe und Reflexionen
Johann Peter Eckermanns

Bis zu seinem Tode hatte Goethe es Eckermann untersagt, die gemeinsam geführten Unterhaltungen zu veröffentlichen. Deshalb erschienen die zweibändigen "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens" erst 1836. Sie trugen ihrem Verfasser  zwar viel Anerkennung, aber nur einen geringen finanziellen Gewinn ein. Zwölf Jahre später, im Jahre 1848, erschien ein dritter Teil der "Gespräche mit Goethe". Er zeigte einen literarisch deutlich gereiften Autor, enthielt jedoch neben ausgezeichneten Berichten sehr viel substanzlosen Füllstoff, der dem Band genügend Umfang verschaffen sollte.

Als testamentarisch eingesetzter Herausgeber von Goethes nachgelassenen Schriften sowie von Neuausgaben goethescher Werke war Eckermann lange Zeit hindurch bis zur Erschöpfung eingespannt. Erst nach dem Ende dieser undankbaren Herausgebertätigkeit rang er sich auf Anregung der Weimarer Großherzogin Maria Pawlowna im Jahre 1838 zu einem zweiten Band mit eigener Poesie durch. Er enthielt zu einem großen Teil die Gedichte des ersten Gedichtbandes aus dem Jahre 1821 sowie viele der Weimarer Gedichte. Literarisch wie finanziell erwies sich das Werk als Enttäuschung.

Aus den "Gesprächen mit Goethe" (Text mit Maus vergrößern)

Mehrere Schicksalsschläge, insbesondere der Tod seiner jungen Frau kurz nach der Geburt des Sohnes Karl, Armut und Krankheit hinderten Eckermann an weiterer bedeutender literarischer Arbeit. Ein in sich geschlossener Teil einer Bühnenfassung des goetheschen "Faust", den er 1834 verfasst hatte, wurde 1852 in Weimar feierlich uraufgeführt. In Literaturzeitschriften und Almanachen wurden weitere Beiträge von ihm publiziert, darunter Gedichte, Betrachtungen und Aphorismen.

Sein letztes Projekt war ein vierter Band der "Gespräche mit Goethe". Darin sollte es um die Entstehung des zweiten Teils von Goethes "Faust" gehen. Das Vorhaben blieb in den Anfängen stecken, — die Folgen eines schweren Schlaganfalls hinderten Eckermann endgültig am Schreiben.

Erst lange nach seinem Tod konnte sich sein viel gerühmtes Hauptwerk, die "Gespräche mit Goethe", durchsetzen. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verzeichnet seither weltweit ungeahnt hohe Auflagenzahlen.

Neue Literatur
Briefwechsel Goethe - Eckermann, 2017
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erstveröffentlichung
Eckermanns Reisen
Helmuth Hinkfoth
Wenn nur das
Wiederkommen
nicht wäre
J. P. Eckermanns Reisen,
Wanderungen und Wohnungen


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