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Johann Peter Eckermann  -  ein Leben für Goethe

 
Eine anregende und umfassende Darstellung des Lebens Eckermanns, seines Schaffens und seines Verhältnisses zu Goethe enthält das biografische Werk:
Anregende Eckermann-Biographie, 2014
Eine Biographie
(2014)

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In der Marktstraße 18 in Winsen (Luhe), schräg gegenüber der Kirche, wohnt das Ehepaar Eckermann mit seinen vier Kindern in einem winzigen Häuschen, das nur einen einzigen beheizbaren Raum besitzt. Das jüngste Mitglied der Familie, Johann Peter, geboren am 21. September 1792, ist der einzige Sohn. Sein Vater, Johann Adolf Eckermann, ist aus Handorf, zwischen Winsen und Lüneburg gelegen, nach Winsen gezogen, und seine Mutter, Maria Dorothea Eckermann, geborene Schierhorn, stammt aus der Lüneburger Heide. Die Eltern Johann Peter Eckermanns sind bei seiner Geburt nicht mehr jung, seine Mutter ist 41, sein Vater, nun in zweiter Ehe verheiratet, bereits 51 Jahre alt.

Marktstraße in Winsen (Luhe) vor 1873  
Marktstraße
in Winsen (Luhe)
vor 1873

Etwa vier Jahre nach der Geburt des Sohnes ziehen die Eckermanns ca. 1796/97 "um die Ecke" in ein kleines Haus - Eckermann bezeichnet es später als "Hütte" (Gespräche mit Goethe, Gespräch vom 7. Oktober 1827) - in der Schmiedestraße. Die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater zieht als Hausierer durch die Lüneburger Heide, die Vierlande und die Elbmarsch, die Mutter verdient als Näherin und Wollspinnerin etwas hinzu, und die Kinder versorgen die einzige Kuh. Johann Peter begleitet seinen Vater bald auf dessen Wanderungen durch die Heide und entlang der Elbe und wird von der herben Schönheit der dünnbesiedelten weiten grünen Ebene tief und dauerhaft geprägt.


Winziges Ackerbürgerhaus in Winsen, Seitenansicht (2005) So wie diese letzte in Winsen (Luhe) noch erhaltene Ackerbürger-Kate könnte jene "Hütte" ausgesehen haben, in der Eckermann aufwuchs. Dieses einzigartige Gebäude bedarf ganz dringend der Sanierung. Winziges Ackerbürgerhaus in Winsen (Luhe), Frontansicht (2005)   
Geboren bin ich »in einer Hütte, wie man wohl ein Häuschen nennen kann, das nur einen heizbaren Aufenthalt und keine Treppe hatte, sondern wo man auf einer gleich an der Haustür stehenden Leiter unmittelbar auf den Heuboden stieg.«
(Eckermann, Gespräche mit Goethe, Einleitung)

Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr besucht der Junge nur unregelmäßig die Schule und kann nur notdürftig lesen und schreiben. Dann hört die höchste Amtsperson der Stadt, der Oberamtmann Johann Friedrich Meyer, von der zeichnerischen Begabung des jungen Eckermann und sorgt dafür, dass der Junge bessere Kleidung, einen Platz am Tisch des Superintendenten Parisius und gemeinsam mit den Kindern der wenigen gutsituierten Bürger des Ortes Privatstunden in Französisch, Latein und Musik erhält.

Nach der verspäteten Konfirmation (1808) wird Johann Peter Eckermann mit sechzehn Jahren Amtsschreiber in Winsen (1808), danach in Lüneburg (1810), Uelzen (1811) und für kurze Zeit in Bevensen (Winter 1812/1813). Im Grade eines Jägers zieht Eckermann 1813 als Kriegsfreiwilliger mit dem Feldjägerkorps des Grafen von Kielmansegge in den Befreiungskrieg gegen die französische Besatzung, gelangt dabei bis nach Flandern und Brabant und lernt voller Staunen und Bewunderung die große niederländische Malerei kennen.

Krank und von den Anstrengungen des Krieges arg geschwächt, kehrt er 1814 nach Winsen zurück, doch bald nach der Genesung zieht es ihn wieder hinaus. Beseelt von dem Wunsch, sich zum Kunstmaler ausbilden zu lassen, marschiert er im Winter 1814/15 in einigen Tagen einsam zu Fuß von Winsen durch die verschneite Lüneburger Heide in das fast vierzig Wegstunden entfernte Hannover, um Schüler bei dem Kunstmaler Ramberg zu werden. Eine Krankheit zehrt jedoch seine schmalen Geldmittel auf, sodass er das Vorhaben aufgeben muss.

Eckermannstraße in Bad Bevensen
Die Eckermannstraße in Bad Bevensen
Zusatzschild: "Johann Peter Eckermann, Freund Goethes, 1812 - 1813 Mairiesekretär in Bevensen"

Notgedrungen nimmt er in Hannover eine Stelle als Registrator in der Militärverwaltung an und widmet sich nebenher intensiv autodidaktisch der Literatur: Theodor Körner, der Dichter der Befreiungskriege, Klopstock und Schiller erwecken sein Interesse. Er beginnt selber Verse zu schreiben und zu verbreiten, vertieft seine Lateinkenntnisse und besucht mit vierundzwanzig Jahren noch das Gymnasium (1817), um sich weiterzubilden. Er liest Shakespeare, Sophokles und Homer, doch die Lektüre der Gedichte Goethes beeindruckt ihn über alle Maßen. Er genießt »dabei ein Glück, das keine Worte schildern«, denn er findet in ihnen sein »eigenes [ihm] bisher unbekanntes Innere« wieder. Die Lektüre weiterer Werke Goethes, vor allem des "Faust", schlägt ihn gänzlich in ihren Bann, sodass er »Jahr und Tag in diesen Werken [lebt] und [...] von nichts anderem [spricht] als von Goethe«. In diese Zeit fällt auch die Arbeit an seinem Drama "Graf Eduard". Er erstellt 1820 eine unvollkommene Urfassung, vollendet das Werk jedoch nie.

Quasi "zwischendurch" verlobt sich der ambitionierte junge Dichter 1819 in Hannover mit der siebzehnjährigen Johanne Bertram, die er »über alle Beschreibung lieb [hat]«. Johanne Sophie Katherine Christine Bertram, geboren am 13.12.1801 in Hannover ist die Tochter des hannoverschen Kaufmanns August Wilhelm Bertram und dessen Frau Louise, geb. Rath. Ihre beiden Brüder, Christian und Wilhelm, sind wenig älter als sie. Nach dem Tode der Eltern lebt Johanne − Eckermann nennt sie stets "Hanchen", offiziell "Johanna" − bei ihrem Bruder Christian, zunächst ab dem Frühjahr 1826 einige Jahre in Bleckede (Elbe), dann in Northeim (1830-1831).

Gotmarstraße in Göttingen
Als Student in Göttingen
wohnte Eckermann u. a.
in der Gotmarstraße

Dank eines Stipendiums einiger Hannoveraner Adliger kann Eckermann sich 1821 an der juristischen Fakultät der Universität Göttingen immatrikulieren, wechselt aber schnell von der Rechtswissenschaft zur Philologie. Als die Unterstützung aus Hannover ausläuft, geht Eckermann im September 1822 nach Empelde, einer kleinen Gemeinde bei Hannover, wo er in einem erst wenige Jahre zuvor errichteten Gasthof Quartier bezieht. Von der ihn hier umgebenden freien Natur inspiriert, frönt er nun seiner eigentlichen Passion, der Dichtkunst. Vor allem aber stellt er hier die "Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe" fertig, den Schlüssel, der ihm später den Zugang zu seinem großen Vorbild am Weimarer Frauenplan verschafft.

Das Verhältnis zwischen Goethe und Eckermann wird oft fehlinterpretiert. Besonders häufig findet man eine Fehleinschätzung von Eckermanns Charakter und seinen Handlungsmotiven. Die Interessenlage und vor allem die Rahmenbedingungen des Verhältnisses beider Männer können hier allerdings nur unzureichend dargestellt werden, sodass sie zwangsläufig vordergründig bleiben. Sie werden ausführlich in der Biographie "Eckermann. Goethes Gesprächspartner" (s. Seitenanfang) beleuchtet.

Eckermanns Domizil in Empelde (2006)
Ronnenberg-Empelde, Nenndorfer Straße 83: In einem Nachbargebäude dieses stattlichen Fachwerkhauses am Rande des kleinen Ortes Empelde bei Hannover verfasste Eckermann 1822/23 die "Beiträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe".
Gedenktafel am Haus in Empelde (2006)
Nenndorfer Straße 83, Inschrift der Gedenktafel:
In diesem Hause wohnte | 1822 und 1823 | der Schriftsteller | Johann Peter Eckermann | (1792 − 1854) | der durch seine Gespräche mit Goethe | in den letzten Jahren | seines Lebens 1823 − 1832 | bekannt wurde | Gemeinde Ronnenberg
Näheres zu Eckermann in (Ronnenberg-) Empelde (sowie in Limmer, Linden und Hannover) in: Helmuth Hinkfoth, Eckermann. Goethes Gesprächspartner. Eine Biographie.   >> Weitere Informationen

Am 24. Mai 1823 sendet Eckermann das Manuskript der "Beyträge zur Poesie" nach Weimar an Goethes wissenschaftlichen Mitarbeiter Friedrich Wilhelm Riemer; beigefügt ist ein Begleitschreiben an Goethe selbst. Am nächsten Tag begibt sich Eckermann über Göttingen und das Werratal auf die lange und beschwerliche Fußwanderung nach Weimar. Am 9. Juni 1823 meldet er sich in Weimar bei Goethe an und wird tags darauf von diesem freundlich empfangen. Was Eckermann nicht weiß: Der fast 74-jährige Goethe sucht seit einigen Jahren vergeblich nach einem jungen Gelehrten, der ihn bei der Redaktion und Herausgabe seines Gesamtwerks entlasten und fachkundig unterstützen kann. Da kommt ihm der junge Literat aus dem Hannöverschen gerade recht. Mit List und verlockenden Versprechungen gelingt es dem erfahrenen Menschenkenner, den gutgläubigen jungen Schwärmer dazu zu verleiten, seine Pläne zu ändern und in Weimar zu bleiben: "Sie sollen von allem das Beste haben, weil die besten Hülfsmittel in meinen Händen sind. Dann stehen Sie fürs Leben fest und [...] können überall mit Zuversicht auftreten" (Gespräche mit Goethe, 15. September 1823). Es ist die Weichenstellung für eine verhängnisvolle Zukunft Eckermanns.


Johann Peter Eckermann,
Bleistiftzeichnung von Ernst Förster, 1825  
Johann Peter Eckermann
Bleistiftzeichnung
von Ernst Förster
1825

Die Nähe zu seinem vergötterten Meister verhindert zwar eine eigene Karriere, die sich Eckermann wiederholt bei internationalen Literaturzeitschriften eröffnet, verschafft ihm aber glückliche Stunden und geistige Erfüllung. Auf Bitten Goethes bereitet er nun die Ordnung der Werke des greisen Dichters zum Zwecke der Herausgabe einer vollständigen Gesamtausgabe vor. Er ist jedoch keineswegs, wie heute immer noch allenthalben zu lesen ist, Goethes Sekretär, sondern bleibt selbstständiger Schriftsteller. Alle seine Leistungen für Goethe erbringt er aus Freundschaft und Gefälligkeit. Überdies verspricht er sich durch den engen Kontakt zu seinem "Leitstern" (Gespräche mit Goethe, Einleitung) von diesem so viel zu lernen, dass er seine eigenen Fähigkeiten als Dichter deutlich verbessern kann.

Abgesehen von ganz vereinzelten geringen Geldzuwendungen sowie Einladungen zum Essen, erhält Eckermann für keine seiner mühsamen und zeitaufwendigen Tätigkeiten für Goethe von diesem ein Honorar oder gar ein Gehalt. Vielmehr muss er sich weiterhin mit kleinen Beschäftigungsverhältnissen über Wasser halten. Er erteilt in Weimar weilenden Engländern Unterricht und ist u. a. auch dank der Fürsprache Goethes von 1830 bis 1835 als Lehrer des Erbprinzen und späteren Großherzogs (ab 1853) Carl Alexander (1818 − 1901) tätig.


Erbprinz Carl Alexander Erbprinz
Carl Alexander
24.6.1818 − 5.1.1901
ab 1853 Großherzog
von
Sachsen-Weimar-Eisenach

Als Ausdruck der Anerkennung für die aufopferungsvolle Arbeit seines Schülers, aber wohl auch um des eigenen gesellschaftlichen Ansehens willen verschafft Goethe dem bescheidenen Eckermann einen akademischen Grad. Am 7. November 1825 erhält Johann Peter Eckermann aus der Hand Goethes persönlich in einer »rothen vergoldeten Kapsel« (Eckermann an seine Braut Johanne Bertram) die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität Jena. Im Jahre 1836 schreibt Eckermann an Frédéric Soret: »Ich wünsche nicht, dass Sie mich Doktor nennen. Ich schäme mich des Titels. Ich bin nicht gelehrt genug, um ihn zu verdienen. Die Universität hat mir den Titel beigelegt, um gegen Goethe gefällig zu sein.«

Grab Johanne Eckermanns (2004)
Das Grab Johanne Eckermanns, geb. 13.12.1801, gest. 30.4.1834, auf dem historischen Friedhof in Weimar. Das rechte Bild zeigt die Grabtafel.
Grabtafel Johanne Eckermanns
Inschrift der Grabtafel:
Dem Andenken | meiner innig geliebten, nach zu kurzem | Glück in ihrem 32. Jahre mir ent- | rissenen Gattin | Johanna Eckermann | geb. Bertram aus Hannover | W. Im Mai 1834

Bei einem seiner zahlreichen Theaterbesuche lernt Eckermann im Mai 1826 die erst sechzehnjährige Schauspielerin Auguste Kladzig (1810-1875) kennen. In den folgenden Monaten und Jahren erwächst aus dieser Begegnung ein Gefühl tiefer Liebe, aus welcher heraus Eckermann der jungen Frau im Laufe der Jahre 1828 und 1829 mindestens vierzehn Gedichte widmet. Trotz der, wie Eckermann 1831 bekennt, "unverwüstlichen Neigung" zu Auguste Kladzig und seiner anhaltenden finanziellen Notlage ringt er sich am 9. November 1831 endlich durch, in Northeim seine dort lebende langjährige Verlobte Johanne Bertram, deren Name auf dem Trauschein mit »Johanne Sophie Christine Bertram« angegeben wird, zu heiraten. Diese bringt nach einer zuvor erlittenen Fehlgeburt am 26. März 1834 den gemeinsamen Sohn Johann Friedrich Wolfgang, genannt Karl, zur Welt. Wenige Wochen darauf stirbt sie am 30. April 1834 im Alter von nur zweiunddreißig Jahren an »Entzündungen und Bluthusten«, wie es heißt. Eckermann ist zu diesem Zeitpunkt einundvierzig Jahre alt. Der talentierte Karl Eckermann wird später Kunstmaler.

Das besonders nahe Verhältnis Eckermanns zu Goethe sorgt dafür, dass dieser ihn mit der Ordnung und Herausgabe seiner Briefe und Gedichte betraut, den "Faust II" sowie "Dichtung und Wahrheit" fertigstellt und ihn im Januar 1831 gemeinsam mit Riemer testamentarisch gegen fünf Prozent Beteiligung an den künftigen Einnahmen als Verwalter und Herausgeber seines literarischen Nachlasses einsetzt.


Johann Peter Eckermann,
gezeichnet von seinem Sohn Karl Eckermann, 1847  
Johann Peter Eckermann
Zeichnung
seines Sohnes
Karl Eckermann
1847

Seit seinem Eintreffen in Weimar 1823 bis zu Goethes Tod 1832 und weiter bis 1848 (Band 3) verfasst Eckermann mit dem Ziel, ein literarisches Kunstwerk zu schaffen, die allgemein bekannten und geschätzten "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens", in denen Eckermann sich selbst oft in der Rolle des zwar geistreichen, aber dennoch naiv fragenden, Denkanstöße liefernden Gesprächspartners darstellt. Goethe unterbindet allerdings zu seinen Lebzeiten das Erscheinen der "Gespräche", obwohl sich Eckermann damit ein sicheres Einkommen würde verschaffen können. Ein im Jahre 1838 veröffentlichter Gedichtband schließlich ist auf ganzer Linie ein Misserfolg, sowohl literarisch als auch finanziell.

In diesen Jahren wird Eckermann verschiedentlich vom nunmehr erwachsenen Erbprinzen Carl Alexander in literarischen Fragen und Theater-Angelegenheiten als Berater hinzugezogen und sogar gelegentlich vom Prinzen in den Ettersburger Kreis eingeladen. Darüber hinaus wird er im Februar 1843 zum Großherzoglichen Hofrat ernannt.


Großherzogin Maria Pawlowna,
Gemälde von Tischbein 1805  
Maria Pawlowna
1786 - 1859
Großherzogin
von
Sachsen-Weimar-Eisenach

Ein in den Jahren 1843 bis 1845 intensiv geführter Rechtsstreit mit seinem Verleger Brockhaus in Leipzig wegen einer Honorarforderung belastet allerdings die ohnehin sehr angespannte Lage des einstigen Goethevertrauten, kostet ihn die heikle Angelegenheit doch außerordentlich viel Zeit, Kraft und Geld. Der einflussreiche Brockhaus obsiegt erwartungsgemäß auf ganzer Linie. In der Folgezeit ist er überdies bemüht, Ehre und Ansehen Eckermanns in der Öffentlichkeit herabzuwürdigen, um ihn ein für alle Mal aus der Welt der Literatur zu verbannen.

Unter dem Druck seiner Schulden und weil er von den geringen Einkünften aus den Tätigkeiten für den Weimarer Hof nicht existieren kann, setzt sich Eckermann »als Sklave seiner Armut«, wie er schreibt, im Sommer 1844 mit seinem Sohn Karl aus Weimar nach Hannover ab. Von dort aus unterbreitet er dem Weimarer Herrscherhaus seine desolate Situation. Unter der Bedingung, dass er sich umgehend wieder in Weimar niederlässt, übernimmt daraufhin die ihm durchaus gewogene Großherzogin Maria Pawlowna seine Weimarer Schulden und gewährt ihm neben seinem völlig unzureichenden Gehalt einen dauerhaften, aber äußerst kargen Zuschuss zu seinem Lebensunterhalt. Allein den materiellen Zwängen gehorchend, kehrt Eckermann im Mai 1846 widerwillig nach Weimar zurück, wo er, zurückgezogen und von der dortigen Gesellschaft nahezu unbeachtet, ein erniedrigendes Dasein in bitterster Armut fristet.


Am Abend ein Stündchen bei Goethe
Eine Anthologie
Literatur
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erzählungen, Gedichte,
Briefe und Reflexionen
Johann Peter Eckermanns

Trotz der erwähnten Schwierigkeiten, die Brockhaus ihm zu bereiten versuchte, findet Eckermann - zwar rechtzeitig zu Goethes 100. Geburtstag, aber in politisch unruhigen Zeiten - im Jahre 1848 für den inzwischen fertiggestellten dritten Band seiner "Gespräche mit Goethe" zu angemessenen Konditionen einen neuen Verleger. Nach Jahren schwerster Not kann er nun wieder ein wenig Luft schöpfen und das Honorar wenigstens zur Tilgung seiner Schulden verwenden.

Die entbehrungsreichen quälenden Jahre seit Goethes Tod, die ständige Existenznot sowie der aufreibende Prozess gegen Brockhaus haben Lebenskraft und Lebensmut des einst so ehrgeizigen Goethegefährten vollends aufgezehrt. Sich seiner zerschlissenen Kleidung schämend, ständig kränklich, seinen eigenen Angaben zufolge zeitweise dem Verhungern nahe, bleibt es dem Großherzoglichen Hofrat Dr. Eckermann versagt, in Weimar ein erträgliches Leben führen zu können.

Johann Peter Eckermann stirbt am 3. Dezember 1854 im Alter von zweiundsechzig Jahren in Weimar. In Anerkennung seiner menschlichen Größe und seiner Verdienste um das Werk Goethes erhält er von seinem früheren Schüler, dem Großherzog Carl Alexander, eine ehrenvolle Grabstätte an herausragender Stelle: Er wird unweit des Sarkophags Goethes unmittelbar neben der Fürstengruft beigesetzt.


Eckermanns Grabstätte in Weimar (Juli 2002)  
Eckermanns Grabstätte
an der Fürstengruft
in Weimar


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