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Johann Peter Eckermann - Gespräche mit Goethe (24)

(Über den Einfluss der Frauen auf Schillers "Wilhelm Tell")
MITTWOCH DEN 16. MÄRZ 1831.

Mit Goethe zu Tisch, dem ich das Manuskript vom vierten Band seines Lebens zurückbringe und darüber mancherlei Gespräch habe.

Wir reden auch über den Schluss des "Tell", und ich gebe mein Verwundern zu erkennen, wie Schiller den Fehler habe machen können, seinen Helden durch das unedle Benehmen gegen den flüchtigen Herzog von Schwaben so herabsinken zu lassen, indem er über diesen ein hartes Gericht hält, während er sich selbst mit seiner eigenen Tat brüstet.

»Es ist kaum begreiflich, sagte Goethe, allein Schiller war dem Einfluss von Frauen1) unterworfen wie andere auch; und wenn er in diesem Fall so fehlen konnte, so geschah es mehr aus solchen Einwirkungen als aus seiner eigenen guten Natur.«



Friedrich Schiller

Friedrich Schiller
(1759-1805)


1) Schillers Frau, Charlotte von Schiller, geb. von Lengefeld, war das Patenkind von Charlotte von Stein. Dritte im Bunde war Schillers Schwägerin, Caroline von Wolzogen, geb. von Lengefeld. In enger Verbundenheit hatten sich diese drei Frauen Goethes langjähriger Lebensgefährtin und späterer Frau Christiane Vulpius (1765-1816) gegenüber höchst dünkelhaft verhalten. In Goethes abfälligem Urteil mag also auch eine persönlich gefärbte Bitterkeit über diese drei Frauen mitschwingen.  (Anm. d. Hrg.)

(Eckermann, Gespräche mit Goethe; Überschrift, Abbildung und Anmerkung vom Herausgeber eingefügt)


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